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Leselust von Anfang an - Tipps und Infos zur Lesefrühförderung


Offensichtlich geschieht nicht genug für das rechtzeitige Hinführen zum Lesen - und hier besonders bei der größten Risikogruppe, den Jungen. [...] Vor allem aber: Es wird nicht genug getan, um Bewusstsein für die Bedeutung frühen Handelns zu vermitteln; dafür, dass Förderung nicht nur irgendwann unverzichtbar ist, sondern auch „ihre Zeit" hat.
Ring, Klaus: Wann beginnt das Lesen. (1)

Leseförderung beginnt nicht erst mit dem konkreten Erlernen des Lesens - sie beginnt viel früher. Wir lesen noch nicht lange genug, um es „evolutionsbedingt" automatisch zu erlernen. Es bedarf einer sehr zielgerichteten Förderung, die jedoch gut in den Alltag eingebaut werden und sehr lustvoll für Große und Kleine erlebt werden kann.

Bereits im Babyalter können Weichen für eine „erfolgreiche" Lesekarriere gelegt werden. Es ist wichtig, dass viel mit Babys gesprochen wird und das Alltagsgeschehen mit Worten begleitet wird.

Bücher für Babys und Kleinkinder

 Es gibt bereits Bücher für Babys ab dem Zeitpunkt, ab dem sie greifen können. Diese sind zum Begreifen, zum Ablutschen und Reinbeißen geeignet. Es gibt auch Bücher für die Badewanne. Das alles zeigt: Lust auf Lesen umfasst mehr als nur Bücher ehrfurchtsvoll rein inhaltlich zu erlesen. Der Leseförderung dienen aber nicht nur Bücher - wenngleich diese natürlich an erster Stelle stehen - sondern auch Reime, Gedichte, Kniereiter, Fingerspiele, Tänze, Basteleien zu einem Thema und Musik. Besonders schön ist es, wenn Sie mit ihren Kindern Gedichte, Reime, Lieder aus ihrer eigenen Kindheit aktivieren.

Zeit für die Bücherei wird es spätestens, wenn ihr Kind zwei Jahre alt ist. Ab diesem Alter haben wir sehr viele Medien für Sie und Ihre Kinder anzubieten. Aber auch schon für die Zeit davor: Bücher, CDs und DVDs gibt es bereits für Babys (z. B. die Reihe „Baby Einstein").

Kirangolini & Co - Schoßkinderprogramm in der Bücherei

Im Frühling und im Herbst bieten wir mit unserer Reihe Kirangolini Eltern und Betreuungspersonen von Kinder zwischen 2 und 3 Jahren die Möglichkeit, Elemente der Lesefrühförderung kennen zu lernen und sich Anregungen und Medien für zu Hause mit zu nehmen. Wenn Sie Interesse haben, schreiben Sie uns ein Mail und wir melden uns bei Ihnen, sobald neue Termine fest stehen. Auch bieten wir rund um die Kirangolini-Termine Nachmittagsveranstaltungen im Rahmen unseres Club Kirango (der jeden Mittwoch um 15 Uhr in der Hauptbücherei am Gürtel stattfindet) für Kleinkinder an. Wenn Sie sich dafür interessieren, melden Sie sich bitte entweder für unseren Newsletter an , oder Sie fordern ein Monatsprogramm unserer Veranstaltungen an, das Sie per Post zugeschickt bekommen (info@buechereien.wien.at).

Vorlese-Tipps für 0- bis 3-Jährige

Hier bekommen Sie noch ein paar Tipps, wie Sie mit Ihren Kindern spielerisch die Basis zum späteren Lesen legen können. Lesen ist eine der wesentlichsten Grundvoraussetzungen für berufliche und gesellschaftliche Anerkennung. Vor allem aber sollte Lesen (im weitesten Sinne, denn dazu gehört natürlich auch Bilder betrachten und analysieren) Spaß machen. UND: KINDER LESEN, WENN DIE ELTERN LESEN.

Die so genannten Vorläuferfertigkeiten fürs Lesen sind(2):

  • Das Wecken der Lesemotivation und des Leseinteresses: Das beinhaltet Vorlesen und Entdecken.
  • Das Schaffen von Lese- und Lernvoraussetzungen: Das beinhaltet Spielen und Üben.
  • Das Wecken des phonologischen Bewusstseins: Das beinhaltet Sprechen, Reimen und Hören.

Es ist auch sehr wichtig, wenn Sie Bücher und Erlesenes in den Alltag einbeziehen. Ihr Kind kann dadurch(3):

  • Dinge aus der Wirklichkeit im Buch finden: z.B. Teddy
  • Dinge aus Büchern in Wirklichkeit finden: z.B. Kuh, Tiger
  • Dinge ordnen: z.B. Hunde schauen anders aus und heißen doch alle „Hund".
  • Dinge gehören zusammen: z.B. Kuh + Traktor + Huhn = Bauernhof
  • Dinge, die draußen laut sind, sind ganz leise: z.B. Traktor
  • Dinge, die sich draußen bewegen, stehen still: z.B. Feuerwehrauto, Flugzeug.
  • Dinge sehen, die wir real nie sehen: z.B. Bakterien, Erdkugel

Sie können die Leselust Ihres Kindes vor allem fördern, wenn Sie selber viel lesen und viele Bücher das Kind umgeben. Es gibt aber noch mehr Möglichkeiten(4):

  • Anschauen und Anfassen
  • Benennen und begreifen: der Wort-Schatz
  • Kuscheln und „in die Welt hinein" lesen
  • Vorlesen, erzählen und zuhören
  • Reimen, reden, blödeln, singen
  • Übers Lesen reden
  • Vorbild und Nachahmung
  • und rundherum viel zu lesen

Die Medienpädagogin Nicole Kalteis (5) empfiehlt für die Lektüre mit Kleinkindern noch Folgendes:

  • Beim Vorlesen auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen, sie ausreden lassen, auf ihre Einfälle eingehen.
  • Ganz einfache Bilderbücher anschauen und lesen. Eventuell anspruchsvollere Bilderbücher anschauen, auch wenn der Text zu schwierig ist: diesen erzählen in der altersgerechten Sprache, kürzen oder erklären.
  • Einfache Alltagshandlungen, nicht zu viele Fantasiegeschichten. Kurze, einfache Texte. Am besten ist, wenn Bilder synchron zum Text sind.
  • Gut sind Kartonbücher, aber auch schon einfache Bilderbücher mit Papier, da Kinder in dem Alter schon gut blättern können.
  • Kinder zwischen zwei und drei Jahren können am besten vom Konkreten auf das Abstrakte schließen.
  • Wimmelbücher sind sehr geeignet und altersentsprechend einsetzbar. Man kann mit den Kindern gemeinsam eine Entdeckungsreise antreten.
  • Die Kinder selber Bücher auswählen lassen.
  • Konkrete Buchtipps: Sprachspiele z.B. Dunkel wars, der Mond schien helle, Fünfter sein (Ernst Jandl/Norman Junge), Eins, zwei, drei Tier (Nadia Budde), Bildwörterbücher, Sachbücher: Arbeitsvorgänge, Polizei, Baustelle, Rettung, ... Fingerspielbücher, Reime, Sprachspiele, ...
  • Es wäre auch gut, Anschauungsmaterialien zu den Büchern zu zeigen: z.B. Ball, Fell, Polster, Materialien, die in den Büchern abgebildet sind.

Lesetipps für 3- bis 6-Jährige von Nicole Kalteis

Nicole Kalteis empfiehlt eine interaktive Lektüre mit Kindern im Kindergartenalter:

  • Dialogorientierte Bilderbuchbetrachtung: Unterbrechen Sie die Lektüre immer wieder und gehen Sie jederzeit auf die Fragen Ihres Kindes ein.
  • Betrachten Sie die Bilder im Buch, regen Sie Ihr Kind an, die Geschichte weiterzuspinnen, nehmen Sie sich dafür viel Zeit. Auch Bilder kann man „lesen" mit den Kindern. Das ist der erste Lesevorgang, den Kinder selbständig bewältigen können. Bilder sind genauso zeichenhaft wie Schrift, Kinder können verschiedene Bildstile und Perspektiven kennen lernen.
  • Lesen Sie gemeinsam unterschiedliche Gattungen: Lyrik, Sachbücher, gereimte Bilderbücher, Sprachspiele, Nonsens- Gedichte, ...
  • Üben Sie gemeinsam: Besprechen Sie die Struktur der Geschichte: wo nimmt die Geschichte eine Wendung? Man kann mit den Kinder nachdenken über einfache literarische Fragen: wo könnte die Geschichte anders weitergehen? Wie könnte es weitergehen? Wie hätte die Geschichte anders ausgehen können? Kannst du dir vorstellen, wo die Geschichte anders geworden wäre? Wie hättest du gerne, dass die Geschichte weitergeht? Somit werden erste Reflexionsprozesse über Literatur angeregt.
  • Literacy ist der Umgang mit Buch-, Erzähl- und Schriftkultur. Das Bilderbuch ist der erste Zugang zu Literacy. Literacy ist auch die Kompetenz Zeichen zu lesen, die Zeichenhaftigkeit zu erkennen, mit Sprache zu spielen. Sie ist alles, was dazu führt eine Text-, Lese- und Schreibkompetenz zu erhalten.
  • Weiterarbeiten mit Büchern: Es ist sehr wichtig, mit den Inhalten und Ideen der Bücher und Geschichten weiterzuarbeiten. Sie können nachspielen/dramatisieren, selber nacherzählen, gemeinsam nacherzählen, selber einen Film machen.
  • Konkrete Tipps zum Weiterarbeiten:
    1. Dramatisieren: Nachspielen, mit Figuren, Handpuppen, Stabpuppen, ...
    2. eigene Hörbücher aufnehmen mit den Kindern
    3. Geschichten mit Klanginstrumenten darstellen
    4. Auf Papierrolle die Geschichte aufzeichnen, diese kann dann abgerollt wie Film
    5. Selber ein Bilderbuch gestalten mit anderen Text-/Geschichtenvarianten
    6. Bilderbuchkino (Dia/Powerpoint, ...)
    7. Kinder selber Dia malen lassen auf leeren Glasdias mit Folienstift. Man kann auch die Glasdia rußen und die Kinder kratzen das Motiv heraus - das ergibt einen tollen Effekt
    8. Bildgeschichten in Comic-Form entwerfen

AV-Medien sind eine gute Ergänzung zu Büchern

  • Ergänzende Medien zu den Büchern
  • Lyrik-CDs - Lyrik regt an zum Weiterdenken/-arbeiten/-basteln
  • Filme zu Büchern
  • CD-Roms, die an Bilderbuchgeschichten angelehnt (z.B. Pipi-Langstrumpf, Pettersson und Findus)

Hier gibt es eine wunderbare weiterführende Lektüre zur Thematik "Sprachförderung/Frühleseförderung". Die Broschüre Sprich mit mir und hör mir zu! gibt 12 Anregungen wie wir unsere Kinder beim Sprechenlernen unterstützen können, für Kinder von 0 bis 5 Jahren. Es gibt sie auch in mehreren Sprachen (Aktuelles/Elternratgeber "Frühe Sprachförderung" mehrsprachig).


 

(1) JuLit. Arbeitskreis für Jugendliteratur. München: Arbeitskreis für Jugendliteratur, 2004. - 30. Jg., Nr. 3/04. S. 7

(2) Diese Aufzählungen sind dem Vortrag von Michaela König entnommen, den sie am 7. Mai 2007 in der Hauptbücherei am Gürtel hielt. Michaela König ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des Buchklubs der Jugend.

(3,4) Tipps von Michaela König.

(5) Nicole Kalteis Lehrt an der Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik der Stadt Wien im 21. Bezirk (Bakip 21). Sie ist Germanistin, freie Mitarbeiterin der Studien- und Beratungsstelle für Kinder- und Jugendliteratur (STUBE) und schreibt regelmäßig Rezensionen, vorrangig für Kinder- und Jugendliterarische Texte.

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